Hach, ich liebe es derzeit offensichtlich, mich mit emotionsgeladenen Themen zu befassen. Also, wieder mal hinauf aufs ganz dünne Eis – wie bspw. bei meinem Beitrag zur Bildbearbeitung in der Fotografie. Und heute geht es um die Sehnsucht nach echten Bildern. In einer Zeit, in der jede Reise und jede Markengeschichte durch Bilder erzählt wird, wächst gleichzeitig die Sehnsucht nach Authentizität in der Fotografie. Während vermeintliche Perfektion die Feeds dominiert, merken viele Betrachter intuitiv, dass extrem inszenierte und überbearbeitete Beiträge wenig über den wirklichen Moment oder den Ort verraten. Und noch weniger über die Person, die auf diesen Bildern zu sehen ist. Zur Social Media-Problematik später mehr. Lass uns zuerst einen Blick auf die Reise- und Imagefotografie werfen.

Was „Authentizität“ in Reise- und Imagefotografie wirklich bedeutet

Authentische Fotografie bedeutet nicht, auf Gestaltung zu verzichten, sondern bewusst so zu fotografieren (und anschließend in Maßen zu bearbeiten), sodass ein wahrhaftiger Eindruck von Menschen, Orten und Situationen entsteht. Dazu gehört, nicht nur die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten und vermeintliche Instagram-Spots zu zeigen, sondern auch das Alltägliche, Unaufgeräumte und Unvorhersehbare mitzunehmen. Für mich bedeutet das:

  • In der Reisefotografie können Details wie Lichtstimmungen in Nebenstraßen, Spuren von Abnutzung an Gebäuden oder zufällige Begegnungen mehr über einen Ort erzählen als das perfekte, leere Strandbild.
  • In der Imagefotografie eines Unternehmens transportieren eine echte Situation bei der Arbeit, ein belebter Büroflur oder ein spontaner Moment im Team glaubwürdigere Stories als generische Stockfotos, gestellte Aufnahmen oder KI-generierte Angestellte.
Authentizität - Grazer Murinsel - © Sara Bafaro
Eine menschenleere Murinsel in Graz kenne ich bei schönem Wetter nicht (Aufnahme: © Sara Bafaro, aufgenommen im August 2025).

Respekt und Beziehung: Authentizität beginnt vor dem Auslösen.

Echte, respektvolle Beziehungen zu den fotografierten Menschen sind eine der wichtigsten Grundlagen für authentische Reise- und Imagefotografie. Darum ist es mir wichtig, mich vor einer Kooperation mit potenziellen Partner:innen zu unterhalten. Denn: Wer Menschen nur als Kulisse für das eigene Bild benutzt oder bei Shootings kontextlos in Szene zu setzen versucht, erzeugt in der Reisefotografie nicht nur zwischenmenschliche (passiv-aggressive) Spannungen, sondern auch Fotos, die oft leer und distanziert wirken. Bei der Imagefotografie macht es einen Unterschied, ob Mitarbeitende in ein starres Posing gezwungen werden oder Raum für echte Interaktion, Bewegung und Humor bleiben darf. Das sieht man in der Körpersprache und Mimik. Und das überträgt sich auf die Bilder.

Der Druck der perfekten Bilder

Der permanente Vergleich mit hyperperfekten Social Media-Bildern führt bei vielen Fotograf:innen und Betrachter:innen zu einem subtilen, aber stetigen Druck, immer spektakulärer und glatter zu produzieren. Die Algorithmen belohnen auffällige, farblich überzogene und maximal optimierte Inhalte, was dazu verleiten kann, die Bildbearbeitung so weit zu treiben, dass Realität und Darstellung kaum noch etwas miteinander zu tun haben. Provokante Frage: Wollen wir das?

Auf der Suche nach der Authentizität im Digitalen

Social Media ist somit schon lange nicht mehr echt, sondern im Prinzip zu einer tragisch-komischen Show verkommen. In der es ausschließlich um den schnellen Konsum geht. Zu einem vermeintlichen Must-Have, das einen immer mehr einzunehmen scheint. Sich mal bewusst Zeit zu nehmen und ein Foto länger betrachten können? Was bspw. Instagram früher so groß gemacht hat, ist nicht mehr länger erwünscht. Es geht offensichtlich um die Masse, um das Schnelle (Reels) – schlicht: um mehr Content. Zumindest „empfiehlt“ mir Meta in der Business Suite, doch vermehrt Reels zu veröffentlichen. Aber will ich das wirklich? Sind Reels das adäquate Mittel, um meine Arbeit zu präsentieren?

Authentizität - SoMe-Kritik - © Sara Bafaro
Wohin führen uns all diese Social Media-Trends wirklich hin? Gesehen und aufgenommen in Bruck an der Mur: © Sara Bafaro, März 2026.

Der Reiz der Reichweite

Kleine und Kleinstunternehmen stehen dadurch vor einem Dilemma. Denn: Klar, etwas mehr Reichweite würde echt nicht schaden. Es würde sogar helfen, von potenziellen Kund:innen etwas ernster genommen zu werden. Und natürlich würde man sich freuen, wenn man das, was man liebt, mehr Menschen zeigen könnte. So weit, so gut – so theoretisch. Jetzt kommen wir allerdings zum optimalen Aufbau solcher Reels: Da heißt es in sehr vielen Quellen, dass ein dynamischer Schnitt, eine eingängige Hook und eine CTA reichweitenfördernd seien. Es heißt sogar, die ersten drei Sekunden eines Reels seien entscheidend, ob jemand sich das Video fertig anschaut – oder schnell weiter swiped. Irgendwie oberflächlich, finde ich.

Was diese Bilderflut mit uns macht

Die dauerhafte Konfrontation mit idealisierten Bildern kann unser Selbstbild, unsere Stimmung und unsere Wahrnehmung von Realität nachweislich verzerren. Studien zeigen, dass intensiver Social Media-Konsum (v. a. im Zusammenhang mit stark bearbeiteten Fotos) mit erhöhtem Risiko für depressive Symptome, Körperbildstörungen und (haarsträubenden) sozialen Vergleich verknüpft ist. Verschärft wird diese Bilderflut zudem durch den sogenannten KI-Slop. Um kurz festzuhalten, um was genau es sich dabei handelt: Wir werden dadurch im wahrsten Sinne des Wortes zugeschi**** mit Content, der nicht von echten Menschen erstellt wurde. Für die Reise- und Imagefotografie schließe ich daraus:

  • Zu perfekte, menschenleere Fotos, die tagsüber aufgenommen wurden, deuten auf eine KI-basierte Entfernung scheinbar störender Subjekte und Objekte hin. Institutionen wie World Press Photo reagieren bereits mit klaren Regeln, dass in dokumentarischen Kategorien keine generative KI verwendet werden darf, um die Glaubwürdigkeit journalistischer Bilder zu schützen.
  • Wenn wir als Reisende oder Fotograf:innen nur noch scheinbar perfekte Traumreisen sehen, fühlen sich unsere eigenen Erlebnisse schnell „zu gewöhnlich“ an. Obwohl sie subjektiv zutiefst bedeutsam waren. Es findet in der Reisefotografie dadurch die Entwertung des Außergewöhnlichen statt.
  • In der Unternehmenskommunikation kann die Diskrepanz zwischen den glänzenden, veröffentlichten Imagebildern und dem echten Arbeitsalltag dazu führen, dass Mitarbeitende sich entfremdet fühlen. Außenstehende könnten den Betrieb zudem als unglaubwürdig wahrnehmen.

Von der Authentizität zur KI

Toll – da möchte ich mich mit der Authentizität in der Reise- und Imagefotografie beschäftigen, und landete bei dem im öffentlichen Diskurs so dominanten Thema der Künstlichen Intelligenz. Aber vielleicht ist das ein Fingerzeig für uns alle. Denn offensichtlich ist KI schon viel mehr in unserem Alltag integriert, als wir uns es eingestehen wollen. Ob wir sie nun bewusst nutzen oder nicht. Sie scheint omnipräsent zu sein. Darum schließe ich dieses Thema an dieser Stelle ab und widme mich wieder den echten Momenten.

Zurück zur Essenz: Story vor Effekt

Um authentisch zu fotografieren, ist es hilfreicher, sich konsequent an der Story zu orientieren als an Effekten, Presets oder vergänglichen Trends. Wenn du dir vor dem Auslösen klar machst, welche Stimmung, Beziehung oder Aussage du transportieren willst, triffst du automatisch bewusstere Entscheidungen in Perspektive, Ausschnitt, Timing und Bearbeitung. Das Ergebnis: Du bekommst Aufnahmen, die leben. Die zum Nachdenken anregen.

Für mehr Authentizität im eigenen Arbeiten

Authentischer zu fotografieren ist kein Talent, sondern eine Frage von Haltung. Und ein paar konsequent gelebten Gewohnheiten im Arbeitsalltag. Wer sich bewusst mit dem Sinn der Fotobearbeitung auseinandersetzt, Raum für echte Interaktionen einplant und Social Media-Einflüsse kritisch reflektiert, verändert Schritt für Schritt das eigene Verhältnis zur Fotografie. Du kannst dir vornehmen, pro Shooting eine Serie von Bildern zu machen, die gar nicht oder nur minimal bearbeitet wird. Das dient als Referenz, wie „echt“ sich die Situation angefühlt hat. Dafür eignet sich die Schwarz-Weiß-Fotografie sehr gut. Ebenso hilfreich können Social Media-Pausen oder bewusst kuratierte Feeds sein. Zum Beispiel in denen du Accounts folgst, die echte, unperfekte Fotografien teilen und offen über ihren Prozess sprechen.

© Sara Bafaro
Wenn die Farben weg sind, konzentriert man sich auf andere Dinge und schult damit den fotografischen Blick (Aufnahme: © Sara Bafaro, August 2025).

Warum sich Authentizität langfristig auszahlt

Authentische Fotografie mag im ersten Moment weniger spektakulär wirken als überinszenierte Bilder, doch sie baut langfristig Vertrauen, Bindung und Wiedererkennbarkeit auf. Tiefgründige Menschen spüren, wenn Bilder an echten Erlebnissen, Beziehungen und Emotionen hängen. Sie reagieren dementsprechend darauf mit mehr Resonanz als auf austauschbare Bildwelten. Fest steht: In einer Welt, die von Oberflächlichkeiten geprägt ist, sind echte sowie sichtbare Emotionen auf Fotos wertvoller denn je. Ob auf Reisen, im Unternehmen oder mitten im Eventgeschehen: Ich halte genau diese Momente für dich fest. Wenn du Interesse an einer Kooperation hast, dann melde dich gerne über das Kontaktformular bei mir.