Fotografieren an einem heißen Sommertag? Ist schon aufgrund der Temperaturen durchaus herausfordernd. Die Lichtverhältnisse sind herausfordernd und auch sonst sollte man darauf achten, dass das Equipment selbst keinen „Hitzeschlag“ bekommt. Alles nicht ganz so einfach. Und genau unter solchen Umständen dachte ich mir: Warum nicht mal durch das Zentrum von Graz spazieren und dabei meinen eigenen fotografischen Blick schulen? Denn die nicht ganz so einfachen Umstände können durchaus anregen, aus der eigenen Komfortzone zu gehen. In diesem Beitrag möchte ich dir einzelne Aufnahmen in schwarz und weiß zeigen, die während dieses Spaziergangs mit meiner Fujifilm X-M5 entstanden sind.

Eine Einschränkung in schwarz und weiß?

Kommen wir zunächst mal zu den einschränkenden Punkten, die es bei solchen Aufnahmen definitiv gibt. Der Funktion „Monochrome“ fehlt Farbinformation, was diverse Szenen mit ähnlichen Tönen (z. B. Felsen neben Gras) zu einem flachen „Einheitsbrei“ macht, da Unterschiede zu kollabieren scheinen. Highlights kommen nicht immer so gut zur Geltung, Schatten können (bei einer falschen Kameraeinstellung) irgendwie matschig werden. Ohne Farbkanäle hat man daher in der Post-Produktion definitiv weniger Flexibilität. Wiederum lernt man in den Programmen zur Post-Produktion allerdings die Kontrastfunktion in einer ganz eigenen Art und Weise kennen. Und seine Daseinsberechtigung haben monochrome Fotoaufnahmen allemal. Sie werden nämlich in verschiedenen Branchen aus diversen Gründen bewusst eingesetzt.

Der noble Look

Monochrome Bilder verleihen den aufgenommenen Momenten einen zeitlosen, edlen Charakter durch Fokus auf Komposition und Licht. Herausforderungen wie Kontraststeigerung lohnen sich für Porträts oder Architektur. Die Fujifilm X-M5 ist eine dieser Kameras mit Live-Monochrome-View, mit der man solche Aufnahmen erstellen kann. Diese spezielle Funktion sorgt für ein besseres Vorgefühl, wie dieses Foto wirken könnte. Ich persönlich liebe diese Funktion, nicht nur für die Preview. Denn ich muss mir schon sehr gut überlegen, wie ich eine Szene oder einen Moment festhalte. Das hat den Vorteil, dass die Aufnahme dann nicht einfach nur „geknipst“ ist. Aber eben auch den Nachteil, dass ein flüchtiger Moment verpasst werden könnte, wenn man zu viel nachdenkt (ach, da ist es wieder, dieses FOMO). In jedem Fall übe ich damit nicht nur meinen fotografischen Blick und erstelle nobel wirkende Aufnahmen. Ich übe mich letztlich auch in Geduld und warte Entwicklungen ab, um einzigartige Momente einzufangen.

Ein kleiner Exkurs in eine vermeintlich schillernde Welt

Wenn ich an Fotos in schwarz und weiß denke, dann fallen mir relativ bald mal sogenannte Hochglanz-Magazine ein. Durchaus verständlich, denn besonders im Modebusiness blüht dieser noble Look auf: Marken wie Chanel, Dior oder Saint Laurent setzen monochrome Aufnahmen bewusst so ein, um Tailoring, Texturen und Emotionen zu betonen, Hierzu gibt es einige Beispiele: Diors 2023-Kampagne mit Elizaveta Porodina, wo Schatten die Feinheit von Tüll hervorheben, oder Saint Laurents Hailey-Bieber-Shootings von David Sims für minimalistischen Glamour. Hier wird Monochrom zur Luxus-Sprache, die Nostalgie und Minimalismus vereint und auf Social Media viral geht.

Die Herausforderung

Monochrome Fotografie stellt uns Fotograf:innen, wie bereits angedeutet, vor besondere Herausforderungen. Vor allem bei der Komposition und Belichtung gilt es, besondere Achtsamkeit walten zu lassen. Denn ohne Farben als Führungselement müssen Schatten und Spieleffekte die gesamte Dynamik tragen – wie in dieser Aufnahme von August 2025, wo Schatten die Fassade wie ein abstraktes Netz weben. Ein falscher oder ungünstiger Blickwinkel kann Kontraste platt wirken lassen. Flüchtige Momente erfordern daher vor allem Geduld und ein präzises Timing, da es keine Farbdistinktion gibt, die den Blick auf das Besondere erleichtern könnte. Falls du meine Aufnahme nun genauer betrachtest und den festgehaltenen Spruch auf der Wand registriert hast, dann steht es dir an dieser Stelle natürlich frei, über den Inhalt dessen nachzudenken. Und ja, ich habe ihn bewusst mit in diese Szenerie aufgenommen. Wer zudem die örtlichen Begebenheiten in Graz kennt, kann sich seinen Teil über meine Intention dieser Aufnahme ohnehin zusammenreimen.

Schwarz und weiß - Graz Zentrum - © Sara Bafaro
Eine anspruchsvolle Herausforderung ist das Festhalten von Kontrasten im Bild (Aufnahme: © Sara Bafaro, August 2025).

Es ist nicht alles schwarz und weiß

Oft werden monochrome Aufnahmen nur als reines Schwarz-Weiß missverstanden. Tatsächlich umfasst es ein breites Spektrum von Graustufen – also unzählige Abstufungen zwischen schwarz und weiß. Es ist, wenn man es sehr plakativ zusammenfassen will, in der Regel eine Ansammlung von unterschiedlichen Grautönen. Diese Töne machen dabei den vollen Tonwertumfang aus und erzeugen dadurch eine gewisse Tiefe. Besonders geeignet sind Szenen mit markanten Texturen oder Schatten, die spannende Graustufen-Kontraste schaffen. Ein paar Beispiele möchte ich dir nicht an dieser Stelle nicht vorenthalten: Ich denke da etwa an diffuses Licht in einem Wald, raue Muster in Felsen oder eben bemerkenswerte architektonische Bauten in einzelnen Städten. Ein Spaziergang zur das Zentrum von Graz (und den anderen inneren Stadtbezirken) lohnt sich deshalb allemal.

Platz für die Grautöne dazwischen

Schwarz und weiß - Graz Zentrum - Spiegelungen und Schattenwürfe - © Sara Bafaro

Grautöne schaffen philosophische Tiefe, betonen Formen und lösen Emotionen aus (dazu später mehr). Diese weitere Aufnahme aus dem August 2025 illustriert das: Zwischen Hell und Dunkel entsteht Raum für Interpretation, besonders bei den Texturen an Gebäudefassaden. Wenn die Sonneneinstrahlung an einem hochsommerlichen (und wirklich sehr heißen) Tag dementsprechend intensiv ist, spiegeln sich die Fenster der Gebäude zusätzlich noch auf den Straßen wider. Ein Detail, das man nur dann entdeckt, wenn man gerade sehr achtsam die Umgebung beobachtet.

Bei dieser Aufnahme habe ich zudem beachtet, dass die linienhaften Elemente (z. B. Stromkabel, Dachrinnen, Straßenverlauf, Schattenwurf, etc.) besonders zur Geltung kommen. Sie lenken scheinbar den Blick der Betrachtenden auf das Ende der Straße, wo weitere Gebäude und das urbane Grün eine gewisse Neugier wecken. Und gleichzeitig sind diese führenden Linien ein prägendes Element des Fotos. Diese Aufnahme mag ich zudem besonders gern, weil sie mich an die Umstände vor Ort erinnert. An diesem Tag war das Verkehrsaufkommen so gering, sodass ich mich mitten auf die Straße stellen und von einer knienden Position heraus diesen Moment festhalten konnte.

Eine Sehnsucht in schwarz und weiß

Monochrome Aufnahmen können auch eine bestimmte Sehnsucht ausdrücken – oder auslösen, je nach Betrachtungsweise. Manche verbinden damit „die gute alte Zeit“, haben romantische Assoziationen mit solchen Aufnahmen oder schreiben diesen eine besondere Eleganz zu. Persönlich kann ich das sehr gut nachvollziehen. Fotos in schwarz und weiß vermitteln eine vermeintliche Einfachheit – sind aber letztlich doch unglaublich komplex. Auch ich kann mich der Eleganz solcher Aufnahmen kaum entziehen. Und während ich diese Zeilen schreiben, fällt mir ein wunderbares spanisches Lied ein, das mich während meiner Abi-Zeit begleitet hat:

Über Sehnsüchte und Hoffnungen

Möglicherweise werde ich jetzt etwas kitschig (genauso wie das Lied). Manchmal ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme eben mehr als nur ein Bild: Sie wird zur eingefrorenen Sehnsucht, zu einem Moment, den wir nicht loslassen wollen. „Solamente oír tu voz, ver tu foto en blanco y negro“ heißt es gleich zu Beginn in „Una foto en blanco y negro“ von El Canto del Loco. Und genau diese Zeilen rühren mich jedes Mal an. Sie malen diesen zarten Kontrast: die ferne Wärme einer Stimme, die man wieder spüren möchte und das stille Betrachten eines Bildes, das scheinbar mehr verspricht, als es je geben kann. Und das alles eingebettet in ein respektvolles Miteinander, das man tief im Herzen spürt. Genau das macht diese monochromen Momente auf eine fast schon tragische Art so magisch: Sie nähren eine leise Sehnsucht, die sich sanft in Erinnerungen und Tönen verliert. Und sie wecken ein Stück weit zarte Hoffnungen auf Nähe und Romantik, die sich wiederum in Grautönen und Erinnerungen auflösen.

Warum ich diese Art der Fotografie ausdrücklich empfehlen kann

Im Nachhinein betrachtet finde ich es spannend, welch diverse Gefühle ein solch spontaner Photowalk an einem Augusttag 2025 bei mir auslösen kann. Daher möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, meine Gedanken ein wenig zu ordnen. Schließlich möchte ich dich davon überzeugen, dass auch du von einem solchen Spaziergang mit der gewissen fotografischen Einschränkung profitieren könntest. Denn diese vermeintliche fotografische Einschränkung erweist sich bei näherer Betrachtung als Möglichkeit, deiner unmittelbaren Umgebung sehr viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und weißt du, was dann passiert? Du wirst letztlich entspannter, weil du dich in Geduld übst. Du nimmst die Töne deiner Umgebung intensiver wahr, weil deine Sinne sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und du atmest viel bewusster tief ein und aus, weil dein Körper auf diese Veränderungen reagiert. Ich glaube, eine gute Freundin (und tolle Yoga-Lehrerin) würde just in diesem Moment jubeln, wenn sie diese Zeilen zu lesen bekommt.

Ein paar abschließende Worte

Weil wir doch in einer sehr konsumlastigen Welt leben, in der nicht jede Ausgabe gleich eine sinnvolle Investition sein muss, möchte ich dir noch ein paar persönliche Worte mitgeben. Du musst nicht immer weit verreisen, um dir selbst solche Momente der Achtsamkeit zu schenken. Es reicht, wenn du ab und zu vor deine Türe gehst und deine eigene Ortschaft oder auch die Ortschaft nebenan erkundest (meinetwegen auch gerne wie eine reisende Person). Du brauchst zudem nicht eine dieser derzeit gehypten Monochrome-Kameras, die ausschließlich Fotos in dem bereits beschriebenen Grauspektrum aufnehmen. Die sind nicht nur sehr einschränkend, sondern auch ziemlich teuer. Darum mag ich meine aktuelle spiegellose Kamera von Fujifilm so sehr und kann sie, nach fast 5.000 Aufnahmen innerhalb von etwa 7 Monaten, auch wärmstens weiterempfehlen. Wenn du dich mit mir über einen solchen Photowalk oder die Wirkung von monochromen Aufnahmen austauschen möchtest, dann schreibe mir gerne eine Nachricht über mein Kontaktformular.