Ich arbeite seit fast 4 Jahren mit unterschiedlichen KI-Systemen. Seit Juli 2025 zahle ich für das Plus-Abo von Chat-GPT. Vermeintlich, weil es genauer und umfangreicher arbeiten würde. Angeblich sogar weniger halluziniere. Nun haben wir Ende Oktober – und ich halte fest: Der KI-Hype ist nicht gerechtfertigt. Null. Zumindest noch nicht in dieser Form. Selten habe ich so desillusioniert feststellen müssen, dass mir so leicht monatlich 23 € aus der Tasche gezogen wurden. Wie ich zu meinem harten Urteil komme? Nun, hier liste ich in Kürze ein paar Beobachtungen auf, die vielleicht auch euch die Augen öffnen werden. Vielleicht ist meine Überschrift aber auch einfach nur arg populistisch (also, Clickbait) – und ich bin nur mit einem KI-System unzufrieden. Näheres erfährst du im Text.
Der KI-Hype ist nicht gerechtfertigt, weil man bereitgestellte Informationen erneut prüfen muss.
Man kann noch so gut prompten und so sehr genaue Informationen bereitstellen (z. B. durch wissenschaftliche Paper), Rollen verteilen (z. B. als wissenschaftlicher Assistent, der mir die Informationen inhaltlich korrekt zusammenfasst) und Erwartungen schriftlich festhalten (z. B. sich genau an die Inhalte zu orientieren, die ich zur Verfügung gestellt hatte). Gerade bei der neuesten Version von ChatGPT (5.0) tendiert die vermeintliche KI dazu, Menschen für dumm zu verkaufen. Und das ist noch wertschätzend ausgedrückt. Hier ist ein Chart darüber, wie viele Fehler ChatGPT gemacht hat, obwohl er vorher von mir mit hochwertigen Informationen gefüttert, zeitweise im „Thinking-Modus“ umgeschaltet wurde und eine ganz klare Rolle zugeteilt bekam. Ich schaute auch in den Erinnerungen nach, ob dort ja keine Fehlinformationen hinterlegt waren (Spoiler: Es waren keine Fehlinformationen in der Erinnerung hinterlegt).
Es ging eine Zeit lang auch anders…
Die früheren ChatGPT-Versionen empfand ich als wesentlich verlässlicher, genauer – und zielstrebiger. Da ich auf mehreren Geräten genau diese KI installiert und mit unterschiedlichen Accounts angemeldet habe (ein Mal im Plus-Abo, zwei Mal als „Gratis“-Version), kann ich einen Vergleich zu früheren Chats ziehen, die mit älteren Versionen von ChatGPT erstellt wurden. Und die waren, auch nach eingehender Recherche, im Großen und Ganzen korrekt. Daher frage ich mich: Warum wurde dieses an sich zu Beginn doch so verlässliche Produkt so dermaßen verschlimmbessert? Jede weitere Entwicklung empfinde ich bisher als Farce.

Jetzt mal Butter bei die Fische.
Wir sind definitiv sehr weit weg davon, dass ChatGPT auf dem Niveau eines Bachelor-Absolventen agiert (vor allem, weil es noch nicht einmal wissenschaftliche Paper inhaltlich korrekt wiedergeben kann). Da kann man als CEO noch so sehr behaupten, dass sie Entwicklung immer besser werde. Nein, dieser Behauptung kann und muss ich vehement wiedersprechen. Ich würde eher festhalten: Lieben OpenAI-Team – back to the roots. Mehr Fakten, weniger Gefühl und bitte keine weiteren Marketing-Gags. Anstatt einen eigenen Browser zu launchen, solltet ihr euch auf euer völlig fehlerhaftes Produkt konzentrieren und dieses wirklich verbessern. Denn ich bin, so viel kann ich aus privaten Unterhaltungen preisgeben, nicht die Einzige, die immer wieder fast aus der Haut gefahren ist. Das verträgt sich nicht so gut mit meinem Vorhaben, innerlich resilienter zu werden. Danke!
Vorwurf: Falsches Prompten
Nun bin ich doch eher jemand, die sich selbst hinterfragt. „Wo liegen meine Schwächen?“ – das ist eine Frage, die mich mein Leben lang schon begleitet. Und deshalb habe ich mich weitergebildet. Mir deutsch- und englischsprachige Tutorials angeschaut, wie man richtig promptet. Ich lernte den sogenannten heiligen Vierschritt: Mit genauen Infos versorgen, exakte Rolle zuteilen, Erwartungen an das Ergebnis formulieren und eine sehr genaue Arbeitsanweisung formulieren. Das ist im Prinzip die Vorgehensweise, auf die sich nahezu alle diese Tutorials festlegen können. Nun, meine eigenen Erhebungen oben sprechen Bände. Denn während ChatGPT immer wieder falsche Informationen überlieferte, sich nach meinen höflichen Hinweisen dauernd entschuldigte – und es teilweise verschlimmbesserte – gab es eben einzelne andere sogenannte künstliche Intelligenzen, die besser und genauer arbeiteten. Das verleitet mich damit zur Annahme: Meine Prompts waren vielleicht doch ganz okay und offensichtlich zielgerichtet.

Der KI-Hype ist nicht gerechtfertigt – es sei denn, man schaut sich anderweitig um.
Es lohnt sich also, sich mit diversen Alternativen von ChatGPT zu befassen – und dabei aber sich klar zu überlegen, welche KI welche Aufgabe übernehmen kann. Also habe ich, mit den exakt gleichen Prompts, folgende weitere künstliche Intelligenzen getestet:
- Google Gemini
- Microsoft Copilot
- Claude
- Perplexity
- Le Chat
Entdeckungen…
Von diesen genannten Systemen kristallisierten sich bei mir drei heraus, die besser zu meinen Anforderungen passen: Claude, Perplexity und Le Chat. Le Chat ist im Übrigen aus Frankreich – und ich finde, das es auch eine faire Chance der Anwendung verdient hat. Denn die gelieferten Ergebnisse waren zumindest ordentlich und relativ differenziert. Die anderen Künstlichen Intelligenzen lieferten neben den Informationen zudem die Quellen, aus welchen sie ihre Informationen bezogen. Bemerkenswert: Nur Perplexity hielt sich ausschließlich an die hochgeladenen wissenschaftlichen Paper und referenzierte seine Zusammenfassungen darauf. Das kann gut sein, wenn man sich ausschließlich auf diese hochgeladenen Paper konzentrieren will. Das kann allerdings auch ein Nachteil sein, weil nicht weitere (wissenschaftliche oder praxisrelevante) Quellen hinzugezogen wurden.
… und einzelne Enttäuschungen
Alle Künstliche Intelligenzen haben somit ihre Stärken und Schwächen. Mit ChatGPT konnte ich bspw. einfachere Aufgaben (mit ein wenig Korrektur) auch lösen. Insgesamt enttäuschte mich aber das Gesamtpaket und damit finde ich die 23 € pro Monat für das Plus-Abo nicht gerechtfertigt. Für andere mag ChatGPT Plus vielleicht genau ihren Need abdecken. Genauso wie der Copilot von Microsoft – wobei mich dieser (obwohl ich exakt dieselben Prompts verwendet habe) stellenweise eher verwirrt zurück ließ, weil er plötzlich das Thema wechselte oder gar keine Antwort mehr von sich gab. Zu Google Gemini erspare ich mir jeglichen tiefergehenden Kommentar – ich kann es, Stand jetzt, definitiv nicht weiterempfehlen. Während meiner Testphase habe ich zudem festgestellt, dass es keinen Allrounder unter den sogenannten Künstlichen Intelligenzen gibt.
Künstliche Intelligenz nach eigenem Need auswählen
Bevor du also wirklich Künstliche Intelligenzen in denen Arbeitsalltag integrieren willst, stelle dir die Frage: Wozu brauchst du eine KI? Kläre also vorab deinen Need. Anschließend würde ich dir empfehlen, eine Liste an Aufgaben zu erstellen, die du gerne mit einer KI bearbeiten oder lösen wollen würdest. Beachte dabei am besten den sogenannten heiligen Vierschritt, den ich an anderer Stelle in diesem Artikel beschrieben habe und übertrage das auf die Aufgabenstellungen, die du gerne einer KI zur Bearbeitung oder Lösung übertragen wollen würdest. Und als weiterer Tipp: Nutze die Möglichkeit, mit einem kostenlosen Zugang verschiedene Künstliche Intelligenzen zu testen. Aus eigener Erfahrung habe ich für unterschiedliche Aufgabenstellungen die für mich bessere Anwendung eruiert und sie für dich in folgender Liste festgehalten (du kannst dich davon inspirieren lassen – oder es eben selbst ausprobieren):
- Kompakter Überblick zu aktuellen Themen:
- Le Chat
- Perplexity
- Rechtschreibprüfung:
- Perplexity
- Le Chat
- ChatGPT (wobei mir das manchmal etwas zu generisch wirkt)
- E-Mail-Verkehr (Struktur, Anpassung auf Zielgruppe, „Feinschliff“ in der Tonalität):
- Perplexity
- Microsoft Copilot
- ChatGPT
- Besprechungen für künftige Reisen (Ideen, Alternativen, Vor- und Nachteile):
- Le Chat
- Perplexity
- ChatGPT
- Reisevorbereitungen (verlässliche Kalkulation, Sicherheit vor Ort, Suche nach guten Unterkünften):
- Microsoft Copilot (überraschend genaue Angaben, vor allem in der Kalkulation sehr nah dran an der Realität)
- Perplexity
- Wissenschaftliches Arbeiten:
- Perplexity
- Le Chat
- Claude
- Hilfestellung bei Datenrecherche (verlässliche Quellen, die zu offiziell verfügbaren Statistiken verwiesen):
- Claude
- Perplexity
- ChatGPT (mit Abstrichen – einzelne dead links, weil Informationen bereits veraltet waren)
- Strukturierung von Projekten (beschränkt auf: Inhaltsstruktur, vorläufige Kalkulation, SWOT-Analysen):
- Perplexity
- Claude
- Microsoft Copilot
- ChatGPT (mit Abstrichen)
- Kreative Ideenfindung:
- Claude
- Le Chat
- ChatGPT
- Einfachere Social Media-Kampagnen (Text, Hook, Call-to-Action, passende Hashtags):
- Claude
- Perplexity
- Le Chat
- Präsentationen (Informationen, die sich gut auf PowerPoint-Folien oder in Kurzfilmen übertragen lassen):
- Le Chat
- Claude
- Perplexity
- Erstellung von Grafiken (ausschließlich in kostenpflichtigen Abos verfügbar):
- Adobe Firefly Image 4
- Canva AI (mit Abstrichen)
Der KI-Hype ist nicht gerechtfertigt – and here is why…
Eventuell kannst du aus meinen Ausführungen bereits erahnen, welche Künstliche Intelligenzen bei mir (derzeit) eher eine gewisse Wertschätzung erfahren. Gehyped bin ich trotzdem nicht. Ich bin zwar neugierig und probiere gerne technologische Neuerungen aus. Wenn ich sie für gut oder nützlich befinde, dann inkludiere ich sie in meinem Arbeitsablauf und bilde mich darin gezielt weiter. Passe auch gerne mal meine eigene Arbeitsweise ein Stück weit an (vor allem dann, wenn ich meine eigene Effizienz etwas steigern kann).
Wie man einen Hype beschreiben kann
Ein Hype ist ohnehin ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Es gibt verschiedene wissenschaftliche Modelle, die sich damit befassen. Der Hype-Zyklus zeichnet, meiner Einschätzung nach, ein relativ klares Bild darüber, wie ein technologischer Hype verlaufen kann. Was dieser klar aufzeigt: Nach jeder Hochphase kommt ein schier unbeschreiblicher Absturz in das sogenannte „Tal der Enttäuschungen“. Ich habe mir diesen Hype-Zyklus vorgenommen und diesen mit eigenen Erhebungen (aus früheren und aktuelleren Hypes) erweitert. Daraus entstanden ist ein „Hype-Verlauf“, der die einzelnen Phasen etwas genauer unterteilt.
Persönliches Fazit
Nun bin ich in meinem Leben durch zahlreiche Täler der Enttäuschungen geschritten – auch bei digitalen Anwendungen. Aber auf Dauer und in dieser Gefühls-Intensität kann das nicht ganz gesund für den eigenen Geist und Körper sein. Daher halte ich persönlich Hypes auf Dauer für, naja, verzichtbar. Ist es gut, dass man öffentlich auf technologische Neuerungen aufmerksam gemacht wird? Ja, klar! Ist es in Ordnung, dass die Unternehmen, die diese Anwendungen entwickelt haben, dabei Geld verdienen wollen? Ja, absolut legitim. Ist es im Sinne der User:innen, wenn diese Unternehmen die Anwendungen weiter entwickeln? Nun, nur unter der Prämisse, dass daraus auch wirklich Verbesserungen entspringen, die den User:innen etwas bringen.
Ab wann es problematisch wird…
Dürfen vonseiten dieser Unternehmen auch mal überzogene Erwartungen bei den User:innen erzeugen, um ihr Produkt besser zu verkaufen? Nein – hier ist klar eine Grenze zu ziehen. Laut Europäischer Union fällt sowas sogar unter unlautere Geschäftspraktiken. Damit ziehe ich persönlich die (ernüchternde) Bilanz: Der KI-Hype ist nicht gerechtfertigt – weil kein Hype in diesem technologischen Bereich bisher jemals gerechtfertigt war. Man tut also gut daran, künftige technologische Neuerungen etwas nüchterner zu betrachten und für sich (und den eigenen Need) einzuordnen.